Buchrezension: „Nichts“ von Janne Teller

Ein Buch, das mir in letzter Zeit sehr gut gefallen hat, ich das Buch “Nichts” von Janne Teller. Es wird zwar eigentlich als Jugendbuch eingestuft, ich finde es aber auch für Erwachsene sehr lesenswert.

Thema des Buches:

Es fängt damit an, dass der 14-jährige Pierre Anthon eines Tages ohne Vorwarnung und vollkommen ohne Anlass in den Pflaumenbaum klettert und sich weigert, wieder runter zu kommen. Der Grund: Alles was er ansonsten tun könnte, sei eh nichts und habe keine Bedeutung. Da könne er auch genauso gut im Baum sitzen bleiben. Wann immer seine Mitschüler vorbeikommen, schreit er ihnen dies in verschiedenster Form hinterher. Seine Kernthese ist, dass alles, was wir machen, keine Bedeutung habe, während wir das, was eine Bedeutung hat, nicht machen.

Die Mitschüler erfasst mit der Zeit der brennende Wunsch, ihm zu beweisen, dass er falsch liegt, denn so lange Pierre Anthon im Pflaumenbaum sitzt und ihnen jeden Tag aufs Neue erzählt, dass alles in ihrem Leben keine Bedeutung habe, gelingt es ihnen nicht mehr, sich über oder an irgendetwas zu erfreuen. Sie werden zunehmend besessen davon, ihm zu beweisen, dass es sehr wohl Dinge in ihrem Leben gäbe, die eine Bedeutung haben. Und mit jedem neuen Versuch, Dinge zu finden, die Bedeutung haben, beweisen sie – ohne es zu merken – dass Pierre Anthon recht hat. 

Am Ende eskaliert die Situation und die Ideen der Kinder werden zunehmend makaber und grausam. Wenn euer Sohn oder eure Tochter das Buch lesen möchte, würde ich daher empfehlen, dass ein Elternteil das Buch parallel mitliest, um im Anschluss darüber zu sprechen.

Meine Gedanken zum Buch:

Das Buch “Nichts” reiht sich laut Verlag ein in die Bücher “Herr der Fliegen” und „Die Welle“. Ich habe “Herr der Fliegen” nie gelesen, ich denke aber, dass die Parallele sicherlich die Gewalt ist, zu der normale Kinder unter besonderen Umständen fähig sind. Mich hat es an vielen Stellen auch an das Buch “Haus der Treppen” erinnert, das ich als Jugendliche gelesen habe. Darin werden Jugendliche im Rahmen eines wissenschaftlichen Experimentes in ein Haus verschleppt, das nur aus Treppen besteht. Sie können dort nichts tun, die Situation ist komplett sinnlos. Mit der Zeit stellt sich aber heraus, dass sie nur etwas zu essen bekommen, wenn sie gemein zueinander sind. Auch hier steigert sich die Situation immer weiter, allerdings bricht das Buch ab, bevor es zum Äußersten kommt. Neben der Frage nach dem Sinn in unserem Handeln, finde ich bei „Haus der Treppen“ und ebenso bei “Nichts” die Beschreibung, wie schnell eine Gewaltdynamik ins Rollen kommt und wie schwer es ist, diese zu stoppen, ein wichtiges Thema.

Ohne den Mut, die Sinnlosigkeit der erlebten und der verübten Gewalt anzuerkennen, ist eine Gewaltdynamik ohne Eingreifen von außen kaum zu stoppen.

Wie soll man eine einmal Grenzen überschrittene Gewaltdynamik stoppen? Denn nur weitere Gewalt, eine weitere Steigerung der Grausamkeit legitimiert die vorangegangene Gewalt. Würde doch das Stoppen der Gewaltdynamik aufzeigen, wie sinnlos die vorherige Gewalt war! Ohne den Mut, die Sinnlosigkeit der erlebten und der verübten Gewalt anzuerkennen, ist die Gewaltdynamik ohne Eingreifen von außen also nicht zu stoppen. Da es bei „Nichts“ ja aber um die Suche nach dem Sinn, dem Beweisen von Bedeutung geht, ist klar, dass in diesem Buch die Gewalt nicht zu stoppen ist.  

Fazit

Ich kann dieses Buch nur sehr empfehlen. Denn nicht nur ist die Frage nach dem Sinn immer aktuell, wir müssen uns auch, wie dieses Buch zeigt, immer fragen: Was wollen wir lostreten? Worauf lassen wir uns ein? Wie weit wollen wir gehen und wie erkennen wir die Grenze, die wir nicht überschreiten dürfen? Weil jenseits dieser Grenze alles Schlechte, das in uns Menschen steckt, möglich ist!

Zur Autorin

Janne Teller ist eine dänische Schriftstellerin. Sie wurde 1964 in Kopenhagen geboren. Sie arbeitete als Konfliktberaterin der EU und der UNO, bevor sie sich 1995 ganz dem Schreiben widmete. Heute lebt sie in New York und Berlin. Sie hat zahlreiche Preise gewonnen und schreibt neben Romanen für Erwachsene auch Essays, Kurzgeschichten und Jugendbücher. Thematisch kreisen Ihre Bücher um die großen Fragen im Leben. Nicht selten stößt sie damit gesellschaftskritischen Themen an. Ihre Literatur wurde in 25 Sprachen übersetzt. (Information vom Verlag)

Bibliographische Daten

dtv Verlag
EUR 7,95 [DE] – EUR 8,20 [AT]
ISBN: 978-3-423-62517-3
Erscheinungsdatum: 01.04.2012
17. Auflage

144 Seiten

Link zum Buch

Lesealter laut Verlag: ab 14 Jahre


Weitere Literatur zum Thema:

  • Das Haus der Treppen. Fünf junge Menschen kämpfen ums Überleben. Von William Sleator. Erschienen bei dtv.
  • Herr der Fliegen. Von William Golding. Erschienen bei S. Fischer Verlag.
  • Die Welle. Von Morton Rhue. Erschienen bei Ravensburger Taschenbücher.

Spread the love
Kategorie Jugendbuch

Hallo, ich bin Dorith, Bloggerin und studierte Politikwissenschaftlerin und Ethnologin. Ich liebe es zu lesen, zu reisen und guten Kaffee zu trinken. Hier schreibe ich über die vielen interessanten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe und hoffentlich in nächster Zeit lesen werde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert